Die meisten Kinder sind kaum ein einzelnes Temperament — eher zwei, die sich irgendwo in der Mitte begegnen und etwas hervorbringen, das keines der beiden allein geschaffen hätte. Reine Typen gibt es, aber sie sind die Ausnahme. Was die meisten Eltern tatsächlich beobachten, ist eine Mischung: zwei Kräfte, die sich einen kleinen Körper teilen, mal zusammenwirkend, mal in entgegengesetzte Richtungen ziehend.
Choleriker – Sanguiniker (🔥 + 🌬️)
Feuer trifft auf Luft, und Luft nährt das Feuer: Dies ist eine der nach außen hin energiegeladensten Mischungen — ein Kind, das vor dem Frühstück ein aufwendiges Spiel für die ganze Straße organisieren und bis zum Mittagessen bereits zu einem völlig anderen Vorhaben übergegangen sein kann, das erste überlässt es einfach jemand anderem zu Ende zu bringen. Das Geschenk ist echtes Charisma gepaart mit echtem Tatendrang, ein Kind, dem andere Kinder wirklich folgen wollen. Der Preis ist, dass Ideen meist schneller eintreffen, als die Ausdauer reicht, um auch nur eine von ihnen zu Ende zu führen.
Choleriker – Melancholiker (🔥 + 🌱)
Hier trifft Feuer auf Erde, und das Ergebnis ähnelt eher einem Brennofen als einem der beiden Elemente für sich: ein Kind, das sich ein wirklich ehrgeiziges Ziel setzt — einen Roman, eine Erfindung, ein Projekt, um das niemand gebeten hat — und es mit echtem Ernst verfolgt, um anschließend im Stillen an einem Fehler zu leiden, den sonst niemand bemerkt hätte. Dies ist ein Temperament, das etwas erreichen will und zugleich will, dass es etwas bedeutet — beides auf einmal, und die beiden Ansprüche lassen sich nicht immer bequem miteinander vereinbaren.
Choleriker – Phlegmatiker (🔥 + 💧)
Hier trifft Feuer auf Wasser, und das Ergebnis ähnelt eher Dampf als einem der beiden Elemente für sich: eine stillere Art von Entschlossenheit, als das cholerische Temperament sie für sich allein zeigt, am Werk unter einer ruhigen Oberfläche. Ein Kind, das einen ganzen Sommer damit verbringt, methodisch und ohne sichtbare Eile ein Baumhaus zu bauen, dabei aber auch nicht einen einzigen Moment daran denkt, aufzugeben. Der Antrieb ist real. Er meldet sich nur nicht so laut zu Wort wie in anderen Kombinationen.
Sanguiniker – Melancholiker (🌬️ + 🌱)
Luft trifft auf Erde, und die Stimmung bewegt sich tatsächlich in beide Richtungen zugleich, wie Wind, der über ein Feld zieht: ein Kind, das beim Frühstück unbeschwert lacht und am Nachmittag still wehmütig wird, keines von beidem gespielt. Diese Mischung nimmt oft Schönheit und Details wahr, an denen andere Kinder achtlos vorbeigehen, und verbindet dieses Wahrnehmen mit einem echten Bedürfnis, es mit jemandem zu teilen.
Sanguiniker – Phlegmatiker (🌬️ + 💧)
Wenn Luft auf Wasser trifft, macht das selten viel Aufhebens von sich — eher sanfter Nebel als Sturm —, und genauso verhält es sich mit dieser Kombination: ein Kind, das keinen besonderen Drang verspürt, das Spiel zu organisieren, aber irgendwie trotzdem zu der Person wird, um die sich eine Gruppe ganz natürlich sammelt — angenehme Gesellschaft, schnell dabei, jeden einzubeziehen, der am Rand stehen geblieben ist. Was wie ein Mangel an Ehrgeiz aussieht, ist oft nur ein echtes Desinteresse daran, die Führung zu übernehmen.
Melancholiker – Phlegmatiker (💧 + 🌱)
Wasser, das sich in Erde setzt, bringt ein Kind von bemerkenswerter Standhaftigkeit hervor — dasjenige, das ruhig bleibt, wenn tatsächlich eine Krise eintritt, gerade weil im Alltag so wenig von seinem Temperament auf Dringlichkeit verwendet wird. Freundschaften sind meist wenige, dafür aber wirklich tief, statt zahlreich und locker, und ein lauter, chaotischer Raum kann diese Mischung schneller überfordern als fast jede andere.
Eine Mischung lesen, statt sie zu etikettieren
Keine dieser sechs Paarungen ist eine Schublade, in die sich ein Kind einordnen lässt. Sie sind eher eine erste Beschreibung, nützlich vor allem, weil sie einem Erwachsenen zeigen, wofür die Stärke eines bestimmten Kindes eigentlich gut ist, und was sie kostet, wenn sie ungebremst wirkt. Fünf dieser Kombinationen werden an anderer Stelle auf dieser Website ausführlich behandelt; die sechste, cholerisch-melancholisch, wird nur selten überhaupt beschrieben — genau deshalb lohnt es sich, sie hier zu nennen.
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